202014 Sein und Bewußtsein - Fichtes Projekt einer Wissenschaftslehre
Wintersemester 2000/2001 | Stand: 25.09.2000 | LV auf Merkliste setzen202014
Sein und Bewußtsein - Fichtes Projekt einer Wissenschaftslehre
SE 2
wöch.
keine Angabe
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Einführung in den transzendentalen Ansatzes Fichtes; Verständnis der Grundlinien seiner "spekulativen" Metaphysik
Fichte baut auf Kants Transzendentalphilosophie auf, geht aber in zwei Hinsichten darüber hinaus, die sich mit den Stichworten "Immanenz" und "Transzendenz" charakterisieren lassen. Zum einen verwirft er Kants Konzeption eines Dinges an sich und leugnet somit die eigenständige Existenz der Außenwelt. Deren Merkmale werden vollständig aus den inneren Prozessen von Subjektivität erklärt und so in die Immanenz des Bewußtseins hineingenommen. Zum anderen eröffnet die Analyse des Bewußtseins den Blick auf einen Grund, der jeder Reflexion vorausliegt. Die traditionelle Rede von einem höchsten Sein, die Kant aus der theoretischen Philosophie verbannen wollte, restituiert Fichte durch eine Analyse von Subjektivität. Jeder Akt des Denkens und Wollens gibt demnach Zeugnis von einem Absoluten, das dem Bewußtsein transzendent ist und dessen Akte allererst ermöglicht. Fichte ebnet damit den Weg für die aus dem Boden der Transzendentalphilosophie hervorgewachsene, "spekulative" Metaphysik, die im Zentrum des ganzen deutschen Idealismus steht. Darüber hinaus wirkte sich sein Denken, vermittelt durch die Thomas-Interpretation der Schule J. Maréchals, bis in das Werk K. Rahners aus.
Im Seminar wird die Lektüre im Vordergrund stehen. Um uns den Zugang zu den abstrakten Darstellungen der Wissenschaftslehre selbst zu erleichtern, werden wir uns zunächst an den einführenden Schriften orientieren, die Fichte selbst für das "breitere Publikum" verfaßt hat. Im ersten Teil des Semesters lesen wir gemeinsam Fichtes "Die Bestimmung des Menschen" (1800). Danach wenden wir uns der streng systematisch deduzierenden "Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre" (1794) zu.
Lektüre/Referat/Diskussion
Seminarzeugnisse können durch schriftliche Hausarbeit erworben werden
Quellentexte
- "Die Bestimmung des Menschen", in: Fichtes Werke, hg. von Immanuel Herrmann Fichte, Bd. II, Berlin 1971 (Walter de Gruyter), S. 165-319.
- "Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre" (1794), in: Ebd., Bd. I, Berlin 1971
Sekundärliteratur
P. Rohs, Johann Gottlieb Fichte (Beck'sche Reihe Große Denker), München 1991.
J. Brachtendorf, Fichtes Lehre vom Sein. Eine kritische Darstellung der Wissenschaftslehren von 1794, 1798/99 und 1812, Paderborn 1995.
*; Anrechenbar: Philosophische Problemgeschichte, Interpretation philosophischer Texte (030), Wahlfach (alle Studienrichtungen).
Beginn: 10.10.2000
Beginn: 10.10.2000
Di 17.00-18.30, SR VII
- Katholisch-Theologische Fakultät