602029 VO Philosophie der Politik und des Rechts: Biopolitik: Leben, Lebenlassen und Sterbenlassen
Wintersemester 2026/2027 | Stand: 29.06.2026 | LV auf Merkliste setzenKenntnis der Debatten zum Begriff der Biopolitik
Wissen um die Relevanz politischer Strategien für ethische Verantwortung
Fähigkeit zur kritischen Analyse der Theorien wie auch biopolitischer Prozesse
Die Debatte zur Biopolitik beschäftigt sich in erster Linie damit, wie – vor allem menschliches, aber auch tierliches – Leben auf verschiedene Weisen politisiert bzw. Gegenstand von Politik wird. Bei Michel Foucault ist es zunächst die „Geburt der Sozialmedizin“ (so der Titel eines 1974 von ihm gehaltenen Vortrags), die Leben und Lebensbedingungen als Gegenstand und Ziel politischer Strategie macht. Daran schließt sich die Frage an, wie eine Gesellschaft regiert wird, wenn es um Gesundheit und Prävention geht. Hier wird deutlich, dass es weniger um Verordnungen als um Anreize geht. Statt Erlässen (souveräne Macht) oder Zugriffe auf individuelle Körper (Disziplinarmacht) werden Foucault zufolge Menschen kollektiv mit solchen Anreizen im Sinne einer Verantwortlichkeit für ihren Umgang mit dem Körper zu gewissen Haltungen und Handlungen gebracht (Bio-Macht). Wer möchte nicht jung, gesund und fit erscheinen und allein dadurch Verantwortungsbewusstsein zur Schau stellen?
Die Relevanz der Biomacht geht aber noch deutlich weiter: Warum wird manches Leben geschützt und sogar als besonders schützenswert angesehen, während ein anderes als Fremdkörper, Gefahr oder als Schaden eingestuft wird? Man ist versucht, sofort an die Lebens- und Todespolitiken im Nationalsozialismus zu denken, als der Schutz des „Volkskörpers“ zur vermeintlichen Rechtfertigung des systematisch-industriellen Genozids wurde. Auch die Geschichte des Kolonialismus und der Sklaverei ist gekennzeichnet dadurch, dass das Leben der Europäer:innen als wertvoll und das Leben der Kolonisierten („Wilden“, „Primitiven“) als weniger wertvoll oder nur instrumentell qualifiziert wurde. Diese beiden Kulminationspunkte des politischen Zugriffs auf Leben bleiben bis heute Anlass für die Frage, wie solche Gewaltpraktiken überhaupt möglich werden konnten. Doch auch prima facie weniger dramatisch anmutende Formen des Schutzes oder der Abwehr von Menschen beschäftigen uns. Welche Formen der Verletzlichkeit werden sichtbar und in den Medien repräsentiert? Welche Krisen und Bedrohungen sind im kollektiven Bewusstsein? Welche sozialen und ethnischen Gruppen werden in Medien und Diskursen tendenziell als Bedrohung dargestellt? Nach welchen Kriterien wird etwa humanitäre Hilfe geleistet oder Asyl gewährt? All dies sind Fragen, die mit einer Politisierung von Leben und Lebewesen zu tun haben.
Außerdem spielt Biopolitik in typische Fragen der Bioethik hinein. Die Zurichtung, Verwertung oder Verwerfung von Leben sind Gegenstand des Nachdenkens über Politik und Recht, weil wir tief in körperliche Prozesse und die menschliche Reproduktion eingreifen können. Denkt man etwa an die Praktiken der Präimplantationsdiagnostik und der Pränataldiagnostik, so wird klar, dass hier Leben auf „Schäden“ hin untersucht wird. Sollte eine Beeinträchtigung festgestellt werden, so sind die Rahmenbedingungen der Abtreibung so gestaltet, dass sie auch in späten Schwangerschaftswochen straffrei bleibt. Auch die Frage, wer noch therapiert werden soll, wen man sterben lassen soll oder wer assistierten Suizid in Anspruch nehmen darf, sind von einer politischen Rahmung des Lebens abhängig. Anhand solcher Beispiele zeigt sich aber auch, dass „Leben“ zwar Gegenstand von politischer Strategie ist, jedoch die Bewertungen und Handlungen dem Individuum überlassen scheinen.
Um sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, wird die Vorlesung nicht nur auf Foucaults Überlegungen zurückgreifen, sondern die vielfachen Erweiterungen und kritischen Modifikationen seiner Konzeption der Biopolitik in gegenwärtigen Auseinandersetzungen berücksichtigen. Neben Foucault werden daher auch Zugänge von Giorgio Agamben, Melinda Cooper, Roberto Esposito, Achille Mbembe, Donna Haraway und Nikolas Rose besprochen und ihre Theorien mit aktuellen Fragen der Biopolitik konfontiert.
Vortrag und Diskussion
Schriftlich
Wird in der Vorlesung bekanntgegeben und z.T. auf OLAT zur Verfügung gestellt
- Interdisziplinäres und zusätzliches Angebot
- Philosophisch-Historische Fakultät
- SDG 16 - Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
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Gruppe 0
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| Datum | Uhrzeit | Ort | ||
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Mi 07.10.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 14.10.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 21.10.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 28.10.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 04.11.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 11.11.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 18.11.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 25.11.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 02.12.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 09.12.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 16.12.2026
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 13.01.2027
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 20.01.2027
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
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Mi 27.01.2027
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10.15 - 11.45 | Hörsaal 2 Hörsaal 2 | Barrierefrei | |
| Gruppe | Anmeldefrist | |
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602029-0
602029-0 |
01.09.2026 00:00 - 01.02.2027 23:59 | |
| Huth M. | ||