608211 PS Literatur im Kontext der Moderne (Gr. A): Prostitution in der Literatur

Sommersemester 2026 | Stand: 28.11.2025 LV auf Merkliste setzen
608211
PS Literatur im Kontext der Moderne (Gr. A): Prostitution in der Literatur
PS 2
2,5
wöch.
jährlich
Deutsch

Fertigkeit, literatur-und kulturgeschichtliche Zusammenhänge am Beispiel repräsentativer Autorinnen und Autoren, Werke und Gattungen zu benennen und Kanonisierungsprozesse zu beschreiben. Sie können das Zusammenwirken von gesellschaftlichen, literatur-und kulturgeschichtlichen Entwicklungen beschreiben. Sie haben die Fertigkeit, literarische Texte selbstständig nach wissenschaftlichen Normen zu interpretieren.

Seit der Antike herrscht ein ambivalentes Verhältnis zur Prostitution. Während sie im Mittelalter mit Berufung auf Augustinus zumindest geduldet wurde, begann sich im 19. Jahrhundert die bürgerliche Gesellschaft der Jahrhundertwende intensiver dem Phänomen zu beschäftigen. Das Spektrum reichte von der Auffassung, Prostitution stelle ein Verbrechen dar, bis hin zum emanzipatorischen Zugeständnis, dass Prostituierte in Eigenbestimmung zu leben vermögen.
Auch in der Literatur der Moderne taucht die Figur der Prostituierten immer wieder auf. An ihr werden soziale Diskurse greifbar, die zunächst – was naheliegend erscheint – insbesondere moralische Fragen aufwerfen, letztlich aber auch ökonomische Verhältnisse einer kapitalistischen Gesellschaft hinterfragen. Walter Benjamin hat die Prostituierte als „Verkäuferin und Ware in einem“ bezeichnet und damit die Doppelbödigkeit benannt, die sie ausmacht: Sie ist Subjekt und Objekt zugleich.
Im Proseminar werden wir uns Texten deutschsprachiger Autor:innen im Umfeld der Moderne widmen, die Prostituierte bzw. Prostitution zum Thema und/oder Motiv ihrer Literatur gemacht haben. In der Analyse ausgewählter Werke, die die ambivalente Zuschreibung zwischen Faszinosum und Verurteilung bzw. zwischen Rechtfertigung und Ablehnung aufgreifen, werden wir Kontinuitäten und Transformationen gesellschaftlicher Vorstellungen von Machtverhältnissen, Moral, Gender und Ökonomie auf den Grund gehen.

Vortrag, Diskussion im Plenum, Arbeiten mit alternativen Zugängen zu den Texten (Film, Bild, Ton)

Mitarbeit (Bereitschaft zur vorbereitenden Lektüre und Diskussion)
Impulsreferat zu einem Text + Thesenpapier
Schriftliche PS-Arbeit

Primärliteratur:

- Frank Wedekind: Lulu (1902)
- Margarete Böhme: Tagebuch einer Verlorenen (1905)
- Else Jerusalem: Der heilige Skarabäus (1909)
- Alfred Lemm: Die Hure
Salomea (1917)
- Emmy Hennings: Das Brandmal (1920)
- Hugo Bettauer: Die freudlose Gasse (1924)
- Arthur Schnitzler: Fräulein Else (1924)
- Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Szechuan (1943)

Forschungsliteratur:

Theodora Becker: Dialektik der Hure. Berlin: Matthes & Seitz 2023.

Die Liste versteht sich als Vorschlag; die für das PS relevante Primär- und Forschungsliteratur wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

siehe Curriculum

siehe Termine
Gruppe 0
Datum Uhrzeit Ort
Di 03.03.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 10.03.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 17.03.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 24.03.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 14.04.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 21.04.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 28.04.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 05.05.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 12.05.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 19.05.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 26.05.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 02.06.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 09.06.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 16.06.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Di 23.06.2026
19.00 - 20.30 40901 SR 40901 SR Barrierefrei
Gruppe Anmeldefrist
01.02.2026 00:00 - 21.02.2026 23:59
Ender M.