622018 SE Zeitgeschichte: Die Dekolonisierung des Blicks. Afrikanische Filme von den 1960ern bis in die Gegenwart

Wintersemester 2026/2027 | Stand: 01.07.2026 LV auf Merkliste setzen
622018
SE Zeitgeschichte: Die Dekolonisierung des Blicks. Afrikanische Filme von den 1960ern bis in die Gegenwart
SE 2
5
wöch.
semestral
Deutsch

Die Studierenden können sich im Seminar Zeitgeschichte mit neuen Themenstellungen vertiefend auseinandersetzen. Sie können diese Themenstellungen unter Berücksichtigung von Kategorien u.a. der sozialen Ungleichheit, von gender- und diversitätsrelevanten Fragestellungen, Digital Humanities, Globalgeschichte und Regionalgeschichte bearbeiten und beurteilen. Sie können historische und gesellschaftspolitische Fragestellungen im Hinblick auf unterschiedliche Herrschaftsverhältnisse formulieren und bearbeiten. Sie sind in der Lage, wissenschaftliche Dynamiken und Trends des historischen Kerngebiets zu berücksichtigen. Sie sind in der Lage, Stärken und Schwächen der unterschiedlichen methodischen Zugänge zu reflektieren. Sie sind befähigt, die Ergebnisse und Analysen in einem interaktiven Prozess (Kurzvorträge, Referate, Diskussionen etc.) zu präsentieren und weiterzuentwickeln. Sie sind in der Lage, eine spezialisierte fachwissenschaftliche Arbeit selbstständig zu verfassen und eigenständige Schlussfolgerungen abzuleiten. 

Die Geschichte des Mediums Film beginnt zur Hochphase des europäischen Imperialismus im späten 19. Jahrhundert – schnell wurde Film zu einem signifikanten Bestandteil imperialistischer Wissensproduktion und Herrschaftsmechanismen. Etablierte koloniale Topoi prägen die Darstellung Afrikas und afrikanischer Gesellschaften bis heute. Mit der Dekolonisierung und Herausbildung neuer Produktionskontexte im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden koloniale Erzähl- und Darstellungsweisen jedoch auch durch Kritik und Alternativen herausgefordert.

In diesem Seminar setzen wir uns, erstens, mit der Geschichte afrikanischer Filme auseinander: Was ist überhaupt „afrikanisches“ Kino, welche Visionen gab es dafür? Welche ökonomischen und soziokulturellen Faktoren und Asymmetrien prägten und prägen das Filmschaffen von der Kolonialzeit bis hin zur Entstehung von Filmindustrien wie Nollywood (Nigeria)? Welche transnationalen Verflechtungen informieren Themen, Filmschaffen, Finanzierung und Rezeption? Durch die Bearbeitung dieser Fragen werden afrikanische Filme zum fruchtbaren Gegenstand für afrikanische Zeitgeschichte als Teil globaler Verflechtungsgeschichten.

Zweitens schauen und analysieren wir ausgewählte Spielfilme (u.a. von Ousmane Sembène, Gillo Pontecorvo, Sarah Maldoror, Abderrahmane Sissako und Licínio Azevedo) im Hinblick auf formale wie inhaltliche emanzipatorische Strategien. Dabei beleuchten wir insbesondere, wie sich die Darstellung von (Post-)Kolonialismus, trans- bzw. internationalen Verbindungen, Gewalt und Geschlechterbeziehungen über fünf Dekaden gewandelt hat – oder nach wie vor den Agenden einer „Dekolonisierung des Blicks“ (Barlet 2001) aus den 1960er Jahren folgt.

Frontalvortrag, Diskussion, Gruppenarbeiten, gemeinsame Analyse von Szenen, Quellenarbeit, Erledigung kleinerer Arbeitsaufträge. Spezifisch für dieses Proseminar ist das Ziel auch die Reflexion eigener Sehgewohnheiten und Darstellungsmuster sowie die Auseinandersetzung mit Filmen aus historisierender und eurozentrismuskritischer Perspektive.

Prüfungsimmanente LV mit Anwesenheitspflicht, Mitarbeit, Diskussionsbeiträge, Erarbeitung eines Referates inkl. Thesenpapier und schriftlicher Arbeit.

Barlet, Oliver (2001): Afrikanische Kinowelten. Die Dekolonisierung des Blicks. Bad Honnef: Horlemann.
Cooke, Paul (2018): Film and the End of Empire. In: Martin Thomas, Andrew S. Thompson und Paul Cooke (Hg.): The Oxford Handbook of the Ends of Empire: Oxford University Press, S. 554–677.
Djagalov, Rossen (2020): From internationalism to postcolonialism. Literature and cinema between the Second and the Third Worlds. Montreal et al.: McGill-Queen's University Press.
Dinkel, Jürgen (2015): Dekolonisation und Film – Ein Literaturbericht. In: WerkstattGeschichte (69), S. 7–22.
Stein, Sarah (2020): Die globalpolitische Selbstverortung frankophoner afrikanischer Filmschaffender in den 1960er und 1970er Jahren: Oder warum afrikanische Filmschaffende (lange) nicht vom globalen Norden sprachen. In: Steffen Fiebrig, Jürgen Dinkel und Frank Reichherzer (Hg.): Nord/Süd. Perspektiven auf eine globale Konstellation. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, S. 299–322.
Tcheuyap, Alexie (2011): African Cinema(s). Definitions, Identity and Theoretical Considerations. In: Critical Interventions 5 (1), S. 10–26.
Ukadike, Nwachukwu Frank (1994): Black African cinema. Berkeley: University of California Press.

keine

Es wird ein OLAT-Kurs eingerichtet. 

siehe Termine
Gruppe 0
Datum Uhrzeit Ort
Do 08.10.2026
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Do 15.10.2026
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Do 22.10.2026
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Do 29.10.2026
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Do 05.11.2026
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Do 12.11.2026
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Do 19.11.2026
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Do 26.11.2026
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Do 03.12.2026
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Do 10.12.2026
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Do 17.12.2026
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Do 07.01.2027
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Do 14.01.2027
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Do 21.01.2027
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Do 28.01.2027
15.30 - 17.00 40506 SR 40506 SR Barrierefrei
Gruppe Anmeldefrist
01.09.2026 00:00 - 21.09.2026 23:59
Burton E.