640027 SE Alte Geschichte: Die letzten Tage der "freien römischen Republik"
Sommersemester 2026 | Stand: 03.01.2026 | LV auf Merkliste setzenDie Studierenden verfügen über Fachkenntnisse im Bereich der Alten Geschichte durch Auseinandersetzung mit den sozialen Verhältnissen und Geschlechterverhältnissen in der Antike unter besonderer Berücksichtigung aktueller Forschungstendenzen und -kontroversen. Sie sind befähigt, aktuelle theoretische Ansätze auf antikes Quellenmaterial anzuwenden und historische Fragestellungen daraus abzuleiten. Sie erkennen die Anwendbarkeit und Kontextbezogenheit der Analysemethoden. Die Studierenden haben ihre Kompetenz zur schriftlichen Abfassung einer wissenschaftlichen Seminararbeit erweitert.
„Alles habe ich für die res publica getan, Brutus […]“ schreibt Cicero im April 43 v.u.Z. an seinen Freund und skizziert die notwendigen Schritte, um sich von den aus seiner Sicht tyrannischen Protagonisten zu befreien. In 26 erhaltenen Briefen zwischen Cicero und Brutus erfahren wir nicht nur Details über Tagespolitik und militärische Strategien, sondern auch über die unterschiedlichen Vorstellungen der zwei Freunde über die Zukunft der römischen Republik. Das Bangen um eine freie Republik (libera res publica) ist durch die Beschreibung von begrenzten Handlungsräumen, brüchigen Bündnissen und chaotischen Zuständen in Rom gut zu greifen.
Im Seminar stehen zunächst die Text- und Überlieferungsgeschichte der Briefkorrespondenz im Mittelpunkt des Interesses. Anschließend werden die Biographien der zwei Hauptcharaktere (Cicero und Brutus zählen beide zu den nobiles) ins Auge gefasst, um die Ereignisse von April bis Juli 43 v.u.Z. aus einer sozial- und geschlechterhistorischen Perspektive zu rekonstruieren. Dabei spielen Fragen nach Männlichkeitsvorstellungen, nach weiblicher Agency und nach Macht- und Gewaltverhältnissen am Ende der Republik ebenso eine zentrale Rolle wie die nach Widerständigkeit in Gewaltkontexten.
Einführung und Vortrag durch die LV-Leitung; gemeinsame Lektüre der Briefe, Diskussionen im Plenum.
Hinweis: Für die historische Analyse werden wir in den lateinischen Text blicken.
Mitarbeit, Referat, Seminararbeit.
M. Tullius Cicero, Briefwechsel mit M. Brutus, lateinisch-deutsch, übersetzt und herausgegeben von Marion Giebel, Stuttgart 1982.
Marcus Tullius Cicero, Letters to Quintus and Brutus. Letter fragments. Letter to Octavian. Invectives. Handbook of electioneering, with an English translation by David R. Shackleton Bailey, Mary Isobel Henderson (Loeb classical library) Cambridge: Harvard University Press, 2002.
Weitere Literatur wird in der Vorlesung bekanntgegeben.
Für die Studierenden, die nicht MA Antike Welten studieren, sei auf die Möglichkeit hingewiesen, die VO Soziale Differenzierung und Geschlechterverhältnisse (LV-Nummer 640028) zur historischen und geschlechtertheoretischen Ergänzung zum Seminar zu besuchen.
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