645602 UE Empirisches Arbeiten: Selbermachen. Zu Praktiken des Do-it-yourself zwischen Konsum und Subversion

Sommersemester 2026 | Stand: 09.01.2026 LV auf Merkliste setzen
645602
UE Empirisches Arbeiten: Selbermachen. Zu Praktiken des Do-it-yourself zwischen Konsum und Subversion
UE 2
5
wöch.
jährlich
Deutsch

- Die Studierenden sind vertraut mit aktuellen wie historischen Konjunkturen des Selbermachens und reflektieren diese alltäglichen Praktiken und Diskurse bezüglichen ihrer kulturanalytischen Aussagekraft über gesellschaftliche Entwicklungen.

- Die Studierenden kennen zentrale Texte und Positionen der Europäischen Ethnologie/Empirischen Kulturwissenschaft zu verschiedenen Formen und Kontexten des Do-it-yourself.

- Die Studierenden entwickeln multiperspektivische empirische Forschungsfragen an einem konkreten ethnografischen Feld des Selbermachens/DIY.

Alles muss man selber machen!? Sauerteigbrote, Strick-Influencer:innen (mit über 100'000 von Follower:innen), Bastel-Tipps und Urban Gardening - Selbermachen und Do-it-yourself (DIY) sind heute allgegenwärtig.

Das mit den "eigenen Händen schaffen" erlebt einen Boom, der daran erinnert, dass Praktiken des Selbermachens immer selbst historisch sind, als sie auf konsumkritische Haltungen (der Gegenwart, wie der Punkbewegung und der Alternativkultur der 1970er-Jahre) verweisen. Dabei steht das Selbermachen in einer grundsätzlichen Ambivalenz: einerseits erlebt es in vielfältigen alltäglichen Praktiken Konjunkturen und einen offensichtlichen aktuellen Boom, andererseits ist Do-it-yourself seit Mitte der 1970er-Jahre immer auch geprägt von gesellschaftskritischen Motivlagen. Selbermachen ist dabei eine zentrale Praxis auf der Suche nach »Alternativen«, nach politischen Utopien und nach einer anderen Zukunft.

Damit ist das selbermachende Tun trotz der Präsenz von Wolle, Filz und Hochbeeten keineswegs "harmlos", sondern eingeschrieben in vielfältige und tief widersprüchliche Handlungen. So wird beim Umgang mit Stricknadel und Hammer etwa machtvoll Geschlecht hergestellt und verhandelt. Und auch die Gegenwartsdiagnosen von Entschleunigung, Selbstwirksamkeit, "meditatives Ventil", die medial (und auch wissenschaftlich) rasch zur Hand sind, sind zwar kaum falsch, aber kulturanalytisch wohl etwas eindimensional. 

Wir überlegen gemeinsam, wie wir aus kulturwissenschaftlicher Perspektive über Selbermachen und DIY nachdenken und was dieses Nachdenken zu einer heute mehr denn je notwendigen Gesellschaftsanalyse beitragen kann.

In der Lehrveranstaltung befassen wir uns mit verschiedenen Praxisfeldern und Diskursen rund um das Selbermachen. Dabei vertiefen wir uns in die vorliegenden  Untersuchungen zu verschiedenen empirischen Feldern aus der Perspektive kulturwissenschaftlicher Disziplinen. Analytisch wählen wir eine deutungsoffene Position, die sowohl betont utopisch-politische Projekte, wie auch für eine (vermeintlich unpolitische) Faszination für das «Handwerk« und für das autodidaktische Aneignen von Fähigkeiten in den Blick nimmt. In empirischen Sondierungen erfragen wir Selbstdeutungen, Diskurse und Aufmerksamkeitskonjunkturen des Selbermachens, wobei wir immer auch (auf den "ersten Blick" widersprüchliche) ökonomische Aspekte dieses Tuns einbeziehen.

Kombiniert mündlich (Diskussionen und Input) und schriftlich (Vertiefung als schriftliche Forschungsarbeit):
1. Lehrveranstaltungsbegleitend: Vorbereitung der Lektüre, aktive Teilnahme an den Diskussionen, mündliche Inputpräsentation zu einem Text.
2. Verfassen und Abgabe einer Arbeit zu einem ausgewählten Forschungsfeld des Selbermachens/DIY. 


Alle Studienleistungen müssen erbracht werden. Ein erfolgreiches Bestehen der Lehrveranstaltung (5 ECTS) bedingt ein mindestens genügendes Erbringen aller Studienleistungen.

Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann ein notenrelevantes Gespräch zur eingereichten schriftlichen Arbeit erfolgen.

Wird bekanntgegeben, zur Einführung:

Hilsberg, Pia-Maria: Echt selbstgemacht. Authentizität als ästhetische Erfahrung, Tübingen 2021.

Kreis, Reinhild: Selber machen. Eine andere Geschichte des Konsumzeitalters, Frankfurt a. M. 2020.

Langreiter, Nikola; Löffler, Klara (Hg.): Selber machen. Diskurse und Praktiken des "Do-it-yourself", Bielefeld 2017.

Die Lehrveranstaltung ist offen für alle Studierende (auch aus anderen Curricula als jenem der Europäischen Ethnologie/Empirischen Kulturwissenschaft). Vorausgesetzt bei allen Teilnehmenden wird Interesse für kulturanalytisches Denken und für den Einbezug alltagsnaher Beobachtungen.

siehe Termine
Gruppe 0
Datum Uhrzeit Ort
Mi 04.03.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 11.03.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 18.03.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 25.03.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 15.04.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 22.04.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 29.04.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 06.05.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 13.05.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 27.05.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 03.06.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 10.06.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 17.06.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Mi 24.06.2026
12.00 - 13.30 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Gruppe Anmeldefrist
01.02.2026 00:00 - 21.02.2026 23:59
Kuhn K.