848483 SE Hybride Prozesse - Xenoaesthetics

Wintersemester 2026/2027 | Stand: 09.06.2026 LV auf Merkliste setzen
848483
SE Hybride Prozesse - Xenoaesthetics
SE 2
2,5
Block
jährlich
Englisch

Das Seminar ermöglicht Studierenden, ein fundiertes Verständnis dafür zu entwickeln, wie ein bestimmtes philosophisches Konzept als produktives Werkzeug für architektonisches Denken fungieren kann und wie architektonische Praxis umgekehrt philosophische Annahmen prüfen und neu justieren kann. Die Teilnehmenden lernen, theoretische Argumente zu lesen und zu diskutieren und zu erfassen, was auf dem Spiel steht, wenn solche Argumente in architektonische Begriffe übersetzt werden. Darauf aufbauend gewinnen die Studierenden ein klares Verständnis des zentralen Rahmens, der in Xenoaesthetics: A Posthumanist Approach to Architectural Encounter entwickelt wird. Am Ende des Seminars sind sie in der Lage, die Kernbegriffe des Buches zu formulieren, ihre internen Zusammenhänge zu erklären und die methodischen sowie sozial-politischen Implikationen der Argumentation nachzuzeichnen, insbesondere im Hinblick auf alltägliche architektonische Interaktion und die Frage der Gleichheit. Über das reine Verstehen hinaus entwickeln die Studierenden zudem die Fähigkeit, das Buch kritisch in eigenen Begriffen zu beurteilen.

Das Seminar führt Gonzalo Vaíllos Xenoaesthetics (Bloomsbury, 2026) als Rahmen ein, um architektonische Begegnung jenseits anthropozentrischer Annahmen zu untersuchen. Im Zentrum steht das architektonische Projekt als autonome Entität sowie die Begegnung als der Ort, an dem sich das Projekt uns erschließt und sich zugleich durch uns realisiert. Entlang der konzeptuellen Struktur des Buches behandelt das Seminar das Spannungsverhältnis von Einheit und Vielheit im Projekt, die Neuverortung von Kognition, Wahrnehmung und Affekt im Verhältnis zur architektonischen Realität sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für Entwurf und Inhabitation, ohne Architektur auf Technologie, Performance oder subjektive Erfahrung zu reduzieren. Darüber hinaus wird der sozial-politische Horizont der Argumentation diskutiert, insbesondere das mikropolitische Register alltäglicher Interaktion und der Beitrag des Buches zu Diskursen über Gleichheit. Methodisch greift das Seminar die im Buch angelegte Verschränkung von Object-Oriented Ontology und architektonischer Praxis bzw. Theorie auf, einschließlich Enric Miralles als zentraler Referenz. Ein begleitender Folgekurs besteht aus einer Exkursion zur Besichtigung von Miralles’ Werken im Frühjahrsterm.

Das Seminar ist als Lektüreseminar mit Vorlesungsanteilen und strukturierter Diskussion angelegt. Studierende bereiten ausgewählte Textpassagen im Voraus vor. Jeder Termin beginnt mit einer Einführungsvorlesung zu einem der elf Kapitel, die den Abschnitt kontextualisiert, zentrale Begriffe einführt und den Argumentationsgang klärt; anschließend folgt eine gemeinsame Diskussion. Im Fokus stehen begriffliche Klarheit, geteiltes Verständnis und die Fähigkeit, philosophische Aussagen in architektonische Bedeutung zu überführen. Die Diskussion ist zugleich explizit kritisch und interpretativ, sodass jede Einheit nicht nur verstanden, sondern auch geprüft, debattiert und in Bezug zu alternativen Positionen gesetzt wird.

Lehrveranstaltungsprüfung gemäß § 6 Satzungsteil, Studienrechtliche Bestimmungen.

Bewertet werden regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit in jedem Termin, verstanden als vorbereitete Auseinandersetzung mit den zugewiesenen Texten und konstruktiver Beitrag zur Diskussion. Zusätzlich verfassen die Studierenden ein abschließendes schriftliches Dokument, das ein kohärentes Verständnis des Hauptarguments und der zentralen Begriffe des Buches zeigt und eine fundierte kritische Position dazu formuliert.

Der Primärtext ist Gonzalo Vaíllos Xenoaesthetics (Bloomsbury, 2026). Ergänzende Lektüre kann selektiv bereitgestellt werden, um Kontext und Methode zu klären, insbesondere kurze Auszüge aus der Object-Oriented Ontology und dem New Materialism sowie im Buch referenzierte architekturtheoretische Quellen.

Studierende sollten bereit sein, theoretische Texte fokussiert zu lesen und zu diskutieren sowie zwischen architektonischem Diskurs und philosophischer Argumentation zu arbeiten. Vorkenntnisse in Architekturtheorie sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich, sofern eine kontinuierliche Beteiligung an Lektüre und Diskussion gewährleistet ist.

Das Seminar ist auf Klarheit und begriffliche Präzision ausgerichtet, nicht auf stilistische Produktion. Es richtet sich an Studierende, die architektonischen Entwurf und Inhabitation jenseits vorgegebener Wertsysteme und jenseits standardisierter, menschenzentrierter Modelle architektonischer Erfahrung neu denken möchten. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass das Verständnis eines philosophischen Rahmens kein Selbstzweck ist, sondern ein Mittel, um architektonische Fragen zu schärfen und zu erweitern, was als architektonische Realität, Begegnung und Praxis gelten kann.

09.10.2026