222602 VU Einzelfragen der Dogmatik: Müssen Opfer ihren Tätern vergeben, um gerettet zu werden? Eine eschatologische Kontroverse zum Jüngsten Gericht

Wintersemester 2026/2027 | Stand: 11.06.2026 LV auf Merkliste setzen
222602
VU Einzelfragen der Dogmatik: Müssen Opfer ihren Tätern vergeben, um gerettet zu werden? Eine eschatologische Kontroverse zum Jüngsten Gericht
VU 1
2,5
wöch.
jährlich
Deutsch

Die Studierenden sind in der Lage, die gegenwärtige Täter Opfer Problematik in der Eschatologie kritisch zu analysieren, die theologischen Argumentationslinien der seit 1999 geführten Kontroverse zu rekonstruieren und unterschiedliche Modelle des Jüngsten Gerichts im Hinblick auf Fragen von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Versöhnung zu beurteilen. Sie können einschätzen, welche Konsequenzen verschiedene eschatologische Ansätze für Opfer und Täter bereits in diesem Leben haben, und reflektieren, wie narrative Modelle des Gerichts zur theologischen und seelsorglichen Orientierung beitragen können.

Im 20. Jahrhundert hat ein tiefgreifender Wandel der Eschatologie neue Konfliktlinien eröffnet. Wenn das Gottes Jüngstes Gericht nicht mehr primär als bedrohlich, sondern als radikale Barmherzigkeit verstanden wird, verschiebt sich die Heilsfrage: In den Himmel kommen dann nicht jene, die gerecht gelebt haben – denn vor Gott sind wir doch alle ungerecht, sondern jene, die demütig ihre Schuld eingestehen und den anderen vergeben, was sie von ihnen erlitten haben. Der Himmel wäre damit vor allem den Selbstgerechten und Vergebungsunwilligen versperrt. Aber was bedeutet diese sympathische Botschaft für Menschen, die Furchtbares für sich und ihre Familien erlitten haben? Was bedeutet sie für die Opfer der Shoah in den Konzentrationslagern? Wenn sie nicht fähig sind, ihren sadistischen Peinigern zu vergeben, verlieren sie dann nach ihrem irdischen Leben auch noch das ewige Leben im Himmel? Diese Frage wurde seit 1999 zu einer der härtesten theologischen Kontroversen im deutschen Sprachraum.

Die Lehrveranstaltung stellt sich dieser Problematik und entwickelt einen eschatologischen Ansatz, in dem Täter wie Opfer in der Begegnung mit Jesus Christus radikal verwandelt werden. Aus diesem Ansatz heraus entsteht eine neue Erzählung vom Jüngsten Gericht, die bereits mitten im Leben Orientierung geben kann: Opfer müssen ihre Täter nicht selbst zur Rechenschaft ziehen, sondern können sie dem liebenden Gericht Christi überlassen und so innerlich loslassen.

Vortrag, Diskussion und Essay mit Referat als Übungsaufgabe.

schriftlich und mündlich

Willibald Sandler, „Denn sie wissen, was sie tun“ – Freiheit, Heilsverantwortung und Erlösbarkeit des Menschen bei Raymund Schwager und Karl Rahner, in: Niewiadomski, Józef (Hg.), Das Drama der Freiheit im Disput, Freiburg i. Br.: Herder 2017, 116–149.

Kleeberg, Florian (2015): Bleibend unversöhnt - universal erlöst? Münster: Aschendorff.

J. Niewiadomski, Hoffnung im Gericht. Soteriologische Impulse für eine dogmatische Eschatologie. In: ZKTh 114 (1992), 113–126.

Keine.

siehe Termine
Gruppe 0
Datum Uhrzeit Ort
Do 08.10.2026
13.15 - 14.45 Handbibliothek Dogmatik, Zi. 138 Handbibliothek Dogmatik, Zi. 138 Barrierefrei
Do 15.10.2026
13.15 - 14.45 Handbibliothek Dogmatik, Zi. 138 Handbibliothek Dogmatik, Zi. 138 Barrierefrei
Do 22.10.2026
13.15 - 14.45 Handbibliothek Dogmatik, Zi. 138 Handbibliothek Dogmatik, Zi. 138 Barrierefrei
Do 29.10.2026
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Do 05.11.2026
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Do 12.11.2026
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Do 19.11.2026
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Do 26.11.2026
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Do 03.12.2026
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Do 10.12.2026
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Do 17.12.2026
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Do 07.01.2027
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Do 14.01.2027
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Do 21.01.2027
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Do 28.01.2027
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Gruppe Anmeldefrist
01.09.2026 08:00 - 21.09.2026 23:59
Sandler W.