919057 PS Ethik I

Wintersemester 2026/2027 | Stand: 30.06.2026 LV auf Merkliste setzen
E Diese Lehrveranstaltung wird im Rahmen eines gemeinsamen Studiums von einer anderen Bildungseinrichtung angeboten

919057
9196BT101A
(Kirchliche Pädagogische Hochschule - Edith Stein)
PS Ethik I
PS 2
5
keine Angabe
keine Angabe
Deutsch
Der curricularen Verankerung dieser Lehrveranstaltung gemäß wird der Vermittlung zentraler Kompetenzen im Bereich der ethischen Theorien und Fragestellungen in didaktischer Hinsicht ein hoher Stellenwert beigemessen. Dabei liegt der Fokus auf der Erarbeitung ideengeschichtlich paradigmatischer Problemstellungen in einer multiperspektivischen Rücksicht. Neben der Ausarbeitung eines Gruppenreferats sind es vor allem das Anfertigen von Lektüreprotokollen sowie das Bearbeiten von Lektüreaufträgen in Kleingruppenarbeit direkt im Anschluss an die in der jeweiligen Einheit gehaltenen Referate, welche aufseiten der Studierenden grundlegende Kenntnisse über die unterschiedlichen Zugänge und Methoden sowie den Austausch untereinander fördern und fordern sollen. Im Rahmen eines Exposés zu einer möglichen Abschlussarbeit sollen an einer ausgewählten Position schließlich Fertigkeiten im wissenschaftlichen Arbeiten vertieft werden.
Diese Lehrveranstaltung soll der Geschichte der praktischen Philosophie in ausgewählten Auszügen nachspüren. Ausgehend von den Mythen Homers und Hesiods, für die das diesseitige Leben schon trostlos ist, das Leben danach aber nur noch ein Schatten seiner selbst, soll ein Bogen zum platonischen Konzept einer Überwindung der irdischen Existenz und zu Aristoteles’ Suche nach einer Goldenen Mitte im Hier und Jetzt geschlagen werden. Mit Hobbes’ philosophischer Überzeugung, der Frieden sei stets nur ein kurzes Intermezzo in einem natürlichen Krieg aller gegen aller, und Descartes’ nur mehr provisorisch angelegter Moral soll dann deutlich werden, wie der moralische Kompass zu Beginn der Neuzeit ins Wanken gerät, bevor Kant den autonomen Menschen schließlich radikal zur Aufklärung und zur Moral verpflichtet. Proseminar „Ethik I“ soll dann mit philosophischen Positionen enden, die diesen Aufklärungspathos nicht mehr teilen und wie Beauvoir überall nur noch Freiheit sehen oder wie Levinas eine unendliche und nie endende Verantwortung.
Die Lehrveranstaltung ist eine Einführung in die methodischen Grundlagen ethischer Theorien und Fragestellungen. Mit dem Abschluss dieser Übung sollen die Studierenden dementsprechend paradigmatische philosophisch ethische Argumentationsweisen analysieren und historisch verorten sowie in Form schriftlicher und mündlicher wissenschaftlicher Arbeiten kritisch diskutieren können. Auf didaktischer Ebene orientiert sich die Übung im Hinblick auf die Erreichung dieser Ziele dabei an der Idee des »Forschenden Lernens«. Unter der Idee des »Forschenden Lernens« wird ein Bündel wissenschaftlicher Aktivitäten verstanden, deren Ausübung zum problemorientierten Umgang mit Fragestellungen befähigt. Der Lernprozess orientiert sich dabei an einem Stufenmodell: zu Beginn steht die naiv-ganzheitliche Einfühlung in Problemstellungen und die imitatorische Nachahmung eines Forschungshandelns, das in weiterer Folge durch kleinschrittige Beratung begleitet wird und von den Lernenden in einem Forschungsvorhaben selbstständig methodisiert wird. In mikrodidaktischer Hinsicht soll die Idee des »Forschenden Lernens« in dieser Übung durch das Clustern der Lehrveranstaltungsinhalte in größere Blöcke von zunehmender Komplexität erzielt werden, die jeweils mit einer entsprechenden Teilleistung und dazugehörigem Feedback verbunden sind. Expert*innenrunden, Peerfeedbackphasen und moderierte Diskussionsrunden sind dabei im Blick auf den individuellen Lernfortschritt wichtige Instrumente. Darüber hinaus spielt hier auch Meyer-Drawes Begriff des Lernens als Widerfahrnis eine zentrale Rolle – die Infragestellung des Erfahrungshorizontes als Weg zu neuen Kompetenzen, soll bei den Diskussionen und der Einordnung unterschiedlicher Positionen gefördert und gefordert werden.
Anwesenheit (max. zwei Absenzen) sowie die Absolvierung aller Teilleistungen sind die Voraussetzungen für einen positiven Abschluss. Die Notengebung basiert auf den folgenden Teilleistungen: - Abhaltung eines Gruppenreferats und Mitarbeit beim Peerfeedback zu den Exposés (30%) - Abgabe zweier Lektüreprotokolle (20%) und Zwischentest (20%) - Verfassen eines dreiseitigen Exposés zu einer möglichen Abschlussarbeit (30%)
Hannah ARENDT, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Mit einem einleitenden Essay und einem Nachwort zur aktuellen Ausgabe von Hans Mommsen. München 2011, 49–68 u. 372–404. ARISTOTELES, Nikomachische Ethik. Auf der Grundlage der Übersetzung von Eigen Rolfes hg. v. Günther Bien. Hamburg 1985, 1094a–1119b (1. und 2. Buch). Simone de BEAUVOIR, Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Aus dem Französischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald, 11. Auflage. Reinbek bei Hamburg 2011, 9–26. Albert CAMUS, Der Mythos des Sisyphos. Deutsch und mit einem Nachwort von Vincent von Wroblewsky. Reinbek bei Hamburg 2000, „Das Absurde und der Selbstmord“ u. „Der Mythos des Sisyphos“. René DESCARTES, Discours de la Methode. Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung. Übers. u. hg. v. Lüder Gäbe. Hamburg 1997, „Dritter Teil“. Michel FOUCAULT, Der Wille zum Wissen. Übers. v. Ulrich Raulff und Walter Seitter, in: ders., Sexualität und Wahrheit Bd.1. Frankfurt a. Main 1977, V: Recht über den Tod und Macht zum Leben. Thomas HOBBES, Vom Bürger. Dritte Abteilung der Elemente der Philosophie: Vom Mensche.n Zweite Abteilung der Elemente der Philosophie, neu übers., mit einer Einl. u. Anm. hg. v. Lothar R. Wass. Hamburg 2012, „1.-2. Kapitel“. David HUME, Über Moral. Aus dem Englischen von Theodor Lipps, durchgesehen und überarbeitet von Herlinde Pauer-Studer. Frankfurt a. Main 2007, „Erster Teil: Über Tugend und Laster“. Immanuel KANT, Grundlegung der Metaphysik der Sitten. Mit einer Einleitung hg. v. Bernd Kraft und Dieter Schönecker. Hamburg 1999, „Zweiter Abschnitt“. Emmanuel LEVINAS, Das Antlitz, in: ders., Ethik und Unendliches. Gespräche mit Philippe Nemo. Aus dem Französischen von Dorothea Schmidt, hg. v. Peter Engelmann. Wien 2008, 64–71. Emmanuel LEVINAS, Humanismus und An-archie (1968), in ders.: Humanismus des anderen Menschen. Übers. u. mit einer Einl. v. Ludwig Wenzler. Hamburg 2005, 65–82.