919059 UE Ethik des guten Lebens

Wintersemester 2026/2027 | Stand: 30.06.2026 LV auf Merkliste setzen
E Diese Lehrveranstaltung wird im Rahmen eines gemeinsamen Studiums von einer anderen Bildungseinrichtung angeboten

919059
9196BT021C
(Kirchliche Pädagogische Hochschule - Edith Stein)
UE Ethik des guten Lebens
UE 1
2
keine Angabe
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Deutsch
Der curricularen Verankerung dieser Lehrveranstaltung gemäß werden der philosophischen Textarbeit und den Kompetenzen zur mündlichen sowie zur schriftlichen Präsentation ausgewählter Theorien ein hoher Stellenwert beigemessen. Dabei liegt der Fokus auf der Erarbeitung ideengeschichtlich paradigmatischer Problemstellungen in multiperspektivischer Rücksicht. Neben der Ausarbeitung eines Gruppenreferats soll das Bearbeiten von Lektüreaufträgen in Kleingruppenarbeit direkt im Anschluss an die in der jeweiligen Einheit gehaltenen Referate aufseiten der Studierenden grundlegende Kenntnisse über die unterschiedlichen Zugänge sowie den Austausch darüber fördern und fordern. Im Rahmen eines Exposés sowie eines Lektüreprotokolls sind die erlangten Kenntnisse im Kontext der aktuellen Forschungdiskussion schließlich zu vertieften.
Was ist das gute Leben und wie kann man es erreichen? Und ist ein gutes Leben auch ein moralisches Leben? Diese Übung soll diesen für die philosophische Ethik zentralen Fragestellungen aus einer ideengeschichtlich und lebensweltlich verankerten Perspektive nachspüren. Den Ausgangspunkt bildet dabei Epikurs Konzeption des Hedonismus und damit die Vorstellung, das im Leben zählt und moralisch richtig ist, was glücklich macht und die Seele gesunden lässt. Für Epikur ist ein gutes Leben jedenfalls noch ein moralisches Leben – mit Nietzsche gerät dieser Optimismus ins Wanken: die Moral erscheint ihm als Irrtum und Abbild gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse. Hieran wird Adorno schließlich mit seinem bekannten Reümée, dass es kein gutes Leben im Falschen gebe anschließen, und auch Benjamins Kritik an der ethischen Gewalt wird davon ihren Ausgang nehmen. Was ein gutes Leben in einer pluralen Welt mit unterschiedlichen sozialen Lebensentwürfen bedeuten kann, darauf versuchen schließlich Nussbaum und Jaeggie eine Antwort zu geben: jene durch konkrete Kriterien des guten Lebens, diese am Schnittfeld von Entfremdung und Selbstaneignung. Die Übung möchte diesen unterschiedlichen Zugängen zur Frage nach dem guten Leben jedenfalls nachspüren, sie miteinander in Beziehung setzen, um sie in ihrer lebensweltlichen Bedeutung zu diskutieren.
Die Lehrveranstaltung bietet eine Einführung in ausgewählte philosophisch ethische Fachliteratur zur Frage nach dem guten Leben. Mit dem Abschluss dieser Übung sollen die Studierenden dementsprechend paradigmatische Begriffe, Methoden und Argumentationsweisen aus diesem thematischen Bereich analysieren sowie in schriftlicher und mündlicher Form wissenschaftlich diskutieren können. Auf didaktischer Ebene orientiert sich der Kurs im Hinblick auf die Erreichung dieser Ziele dabei an der Idee des »Forschenden Lernens «. Unter der Idee des »Forschenden Lernens« wird ein Bündel wissenschaftlicher Aktivitäten verstanden, deren Ausübung zum problemorientierten Umgang mit Fragestellungen befähigt.1 Der Lernprozess wird dabei ausgehend von einem Stufenmodell verstand: zu Beginn steht die naiv-ganzheitliche Einfühlung in Problemstellungen und die imitatorische Nachahmung eines Forschungshandelns, das dann durch kleinschrittige Beratung begleitet und von den Lernenden in einem Forschungsvorhaben selbstständig methodisiert wird. In mikrodidaktischer Hinsicht soll die Idee des »Forschenden Lernens« in dieser Übung durch das Clustern der Lehrveranstaltungsinhalte in größere Blöcke von zunehmender Komplexität erzielt werden, die jeweils mit einer entsprechenden Teilleistung und dazugehörigem Feedback verbunden sind. Expert*innenrunden, Peerfeedbackphasen und moderierte Diskussionsrunden sind dabei im Blick auf den individuellen Lernfortschritt wichtige Instrumente. Darüber hinaus spielt hier auch Meyer-Drawes Begriff des Lernens als Widerfahrnis eine zentrale Rolle – die Infragestellung des Erfahrungshorizontes als Weg zu neuen Kompetenzen,2 soll bei den Diskussionen und der Einordnung unterschiedlicher Positionen gefördert und gefordert werden. So sollen die Studierenden zunächst in Form einer Gruppenarbeit Referate zu den im Kurs behandelten Texten ausarbeiten. Im Rahmen der ersten Lehrveranstaltungseinheit erhalten sie hierzu vor Ort und begleitet durch die Lehrveranstaltungsleitung die Möglichkeit, sich mit ihren jeweiligen Themenstellungen vertraut zu machen und die weitere Arbeit zu planen. Die darauffolgenden Einheiten sind einerseits durch die besagten Referate, andererseits durch Kleingruppenarbeitsphasen geprägt, in denen die Studierenden das Erlernte in Schreib- und Reflexionsaufträgen mit Unterstützung der Lehrkraft festigen sollen. Diese Arbeit dient als Vorbereitung auf das spätere Schreiben eines Lektüreprotokolls sowie eines Exposés zu einer Abschlussarbeit, Durch das Erteilen von wechselseitigem Feedback zu den Exposés wird der Komplexitätsgrad der Aufgaben in Richtung auf ein zunehmendes selbstständiges Forschungshandeln dann noch einmal deutlich erhöht.
Anwesenheit (max. zwei Absenzen) sowie die Absolvierung aller Teilleistungen sind die Voraussetzungen für einen positiven Abschluss. Die Notengebung basiert auf den folgenden Teilleistungen: - Abhaltung eines Gruppenreferats und Mitarbeit z. B. im Kontext des Peerfeedbacks (30%) - Abgabe eines zweiseitigen Lektüreprotokolls (30%) - Abgabe eines zwei- bis dreiseitigen Exposés zu einer möglichen Abschlussarbeit (40%)
In der Übung behandelte philosophische Primärtexte (inkl. Angabe der jeweiligen Textabschnitte) A. EPIKUR, „Brief an Menoikeus“, in: ders., Briefe, Sprüche, Werkfragmente: Griechisch/Deutsch, hg. u. übers. v. Hans-Wolfgang Krautz. Stuttgart 1986, 40–55. B. Friedrich NIETZSCHE, Menschliches, Allzumenschliches. Bd. 1: Nachgelassene Fragmente 1876 bis Winter 1877—1878. Berlin 2020, »Zweites Hauptstück: Zur Geschichte der moralischen Empfindungen«, 53–104. C. Theodor W. ADORNO, Probleme der Moralphilosophie, hg. v. Thomas Sehröder, in: ders., Nachgelassene Schriften, hg. v. Theodor W. Adomo Archiv, Abt. IV: Vorlesungen, Bd. 10. Frankfurt am Main 1997, 233–262. D. Walter BENJAMIN, Zur Kritik der Gewalt, in: ders., Gesammelte Schriften, hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, Bd. 2/1. Frankfurt am Main 1977, 179–204 E. Martha C. NUSSBAUM, Creating Capabilities: the Human Development Approach. Cambridge, Mass. 2011, »The Central Capabilities «, 17–45. F. Rahel JAEGGI, Entfremdung: Zur Aktualität eines sozialphilosophischen Problems. Frankfurt a. M. 2016, »Wie ein Gebilde aus Zuckerwatte – Selbstsein als Selbstaneignung«, 217–274. In der Übung behandelte Sekundärliteratur A. Carl-Friedrich GEYER, Epikur zur Einführung. Hamburg 2020, »Systematischer Eintrag« B. Henning OTTMANN, Nietzsche Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart 2011. C. Richard KLEIN, Johann KREUZER, Stefan MÜLLER-DOOHM (Hg.), Adorno Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, 2. erw. u. aktual. Aufl. Stuttgart 2019. D. Burkhardt LINDNER, Benjamin Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, unter Mitarbeit v. Thomas Küpper u. Timo Skrandies Stuttgart 2011. E. Angela KALLHOFF, Kosmopolitismus heute: Tatsächliche Chancen aller auf ein vollauf gutes Leben (Interview mit Angela Kallhoff) & Martha C. Nussbaums Theorie des guten Lebens. In: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik, 23(1), 5–19. F. Rahel JAEGGI/Robin CELIKATES, Sozialphilosophie: Eine Einführung. München 2017, »Entfremdung«, 76–87.
Aufgrund der substanziell unterschiedlichen Zuteilung von ECTS-AP im BA-Studium nach dem alten bzw. dem neuen Curriculum ergeben sich für diese LV unterschiedliche Anforderungen. Detaillierte Informationen hierzu erhalten Sie zu Beginn der LV durch die Lehrveranstaltungsleitung.